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Aus den Diözesen
am 1. Mai 2012 in Zell bei Worms
Zell/Pfalz

Am 1. Mai 2012 fand in Zell bei Worms, der diözesane Wallfahrtstag des Bistums Speyer im außerordentlichen Ritus statt. Erstmalig war die örtliche Pfarrei über die Bistumsleitung an die diözesane Speyerer Gemeinde des alten Ritus in Neustadt/Weinstraße herangetreten und hatte angeboten, einen speziellen Wallfahrtstag in diesem Ritus abzuhalten.

Zell war einmal der bedeutendste Wallfahrtsort der Pfalz.
Es ist die Wirkungsstätte des Hl. Einsiedlers Philipp von Zell, einem Angelsachsen, der von England nach Rom pilgerte, dort vom Papst zum Priester geweiht wurde und um 750, auf dem Rückweg in die Heimat, in Deutschland blieb. Er ließ sich als Einsiedler im heutigen Zell nieder, verwandelte eine heidnische Kultstätte in einen Ort des christlichen Glaubens, errichtete eine dem Hl. Michael geweihte Kapelle und legte einen Obstgarten an. Hier sammelten sich Gefährten um ihn, von denen der Priester Horoskolf namentlich bekannt ist. Er überlebte St. Philipp um viele Jahre und wird von der um 850 verfassten Vita als Zeuge und Gewährsmann genannt. Wegen vieler am Philippsgrab geschehener Wunder erhob man um die gleiche Zeit den Leib des Heiligen und setzte ihn in einer neuen Kirche bei. Dies geschah auf Anordnung des damals örtlich zuständigen Mainzer Erzbischofs Rabanus Maurus († 856), welcher auch die Weiheinschriften des Grabaltares verfasste. Damit war St. Philipp nach den damaligen kanonischen Vorschriften offiziell als Heiliger anerkannt.
Der Wallfahrtsort entwickelte sich zum bedeutendsten in der Pfalz und St. Philipp wurde quasi zum Hauspatron der Pfälzer Wittelsbacher, nachdem eine persönliche Wallfahrt von Kurfürst Ludwig IV. und seiner Gemahlin Margarethe von Savoyen zur Geburt des ersehnten Thronfolgers führte, der  –  nach dem Hl. Philipp von Zell benannt – Philipp der Aufrichtige hieß. Der Pfälzer Lokalheilige avancierte mehr und mehr zum Patron und Nothelfer bei Kinderlosigkeit, weshalb sich viele deutsche Fürsten als Mitglieder und Bittsteller in das Bruderschaftsbuch eintragen ließen. So auch  der deutsche König und Pfälzer Kurfürst Ruprecht I., sein Sohn Kurfürst Ludwig III., dessen Sohn Kurfürst Friedrich I. (Begründer des Fürstenhauses zu Löwenstein), aber auch  Markgraf Philipp von Baden, Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg und Herzog Friedrich der Friedfertige von Braunschweig, um
nur einige zu nennen. Die Stiftskirche mit dem Grab des Heiligen besaß zu ihrer Blütezeit, im 14. und 15. Jahrhundert, drei Schiffe mit neun Altären und einer Vielzahl von Votivgaben, wovon die wertvollsten ca. 100 massiv silberne, vergoldete Kindlein waren.

In der Zeit der Glaubensspaltung, als im nahen Worms eine Hochburg des Protestantismus bestand, setzte der Niedergang des Stifts ein. Die Philippsverehrung wurde durch die zum neuen Glauben übergelaufenen Stiftsherren blockiert, welche Pilger nicht mehr zum Grab des Heiligen vorließen. Der Pfälzer Kurfürst Friedrich II. schlug dem Papst die Einverleibung des Philippsstifts mit seinen reichen Gütern in die Universität Heidelberg vor, angeblich um den Kult zu retten und gleichzeitig die schlechte Finanzlage seiner Universität aufzubessern. Papst Julius III. stimmte 1551 diesem Prozedere zu, um der Wallfahrt möglichst doch noch eine Überlebenschance zu geben. Schon fünf Jahre später führte der neue Kurfürst Ottheinrich selbst die Reformation in der Kurpfalz ein, verbot gleichzeitig überall den katholischen Kult und löste das religiöse Stift auf.

Die Stiftskirche zerfiel, die Votivgaben und die Reliquien des Heiligen Philipp sind verschollen. Als die Herrscher der Pfalz nach 150 Jahren wieder katholisch geworden waren, verpflichtete Kurfürst Karl Theodor (Pfalz und Bayern) 1745 die Universität Heidelberg, die den gesamten finanziellen Gewinn aus dem aufgelösten Stift erhalten hatte, eine neue Wallfahrtskirche zu bauen. Das ist die Barockkirche, die bis heute existiert. Seit Fertigstellung dieser Wallfahrts- und Pfarrkirche 1749, lebte der Philippskult wieder auf und St. Philipp wurde zum Schutzpatron der Universität Heidelberg erklärt. 1780 erbat der Rektor dieser Hochschule vom Bischöflichen Stuhl in Worms die Erlaubnis zu einem Wallfahrtsfest, das in jenem Jahr erstmals stattfand und bei dem sich 2000 Pilger einfanden.
Seither ist die Verehrung nicht mehr abgerissen. Alljährlich am 3. Mai (Festtag) bzw. am Sonntag danach findet das Hauptwallfahrtsfest mit Prozession statt; die Woche zuvor wird als Wallfahrtswoche mit verschiedenen Wallfahrtstagen gefeiert, welche heuer mit der Wallfahrt des außerordentlichen Ritus am 1. Mai begann. Der Kult lebt rein aus der tausendjährigen Tradition, da es keine Philippsreliquien mehr gibt.

Als Zelebrant für das Hochamt im alten Ritus am 1. Mai stellte sich der Speyerer Diözesanoffizial und Domkapitular, Prälat Dr. Norbert Weis zur Verfügung. Er ist ein Verwandter des früheren Speyerer Bischofs Nikolaus von Weis, der die Diözese im 19. Jahrhundert wieder aufbaute und wesentlich formte. Auch ihm lag seinerzeit die Philippsverehrung sehr am Herzen und er ließ deshalb eine Statue des Heiligen auf dem inzwischen abgebrochenen Hochaltar des Speyerer Domes aufstellen.

Herr Dr. Weis zog bei strahlendem Sonnenschein mit einer beträchtlichen Schar Ministranten, vom Pfarrhaus kommend, in die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche ein. Es waren – an einem nicht zum Gottesdienst gebotenen Tag – etwa 120-130 Pilger gekommen. Domkapitular Dr. Weis zelebrierte in gewohnt eindrucksvoller und gesammelter Weise, wobei er am Ende feierlich den Wettersegen erteilte. In seiner Festpredigt ging er darauf ein, dass St. Philipp, bevor er sein Missionswerk in Deutschland begann, erst nach Rom gezogen sei, um sich mit dem Papst und dem Herzen der Kirche in Verbindung zu setzen. Mit dieser lebendigen Verbindung sei er dann nach Zell gekommen um hier in der Ferne zu wirken. Das gelte auch für unsere Zeit. Auch wir alle müssten stets lebendig mit dem Papst bzw. mit dem Herzen der Kirche in Rom verbunden sein und uns immer wieder nach dort ausrichten, egal wo und wie wir für die Kirche tätig seien.

Nach dem Festgottesdienst hatte die Pfarrei Zell für die Pilger des alten Ritus ein Essen im Saal des Pfarrhauses vorbereitet, was gerne und reichlich in Anspruch genommen wurde.

Nachmittags hielt Pater Michael Ramm von der Priesterbruderschaft St. Petrus in der Wallfahrtskirche einen Vortrag über die Schönheiten des Tridentinischen Messritus. Er forderte die Wallfahrer auf, sich eine Blumenwiese vorzustellen und mit ihm dort spazieren zu gehen. Er werde dann immer eine Blume – die jeweils eine besondere Handlung aus diesem Ritus darstelle – abpflücken und erklären. Nach dieser eindrucksvollen Katechese hielten Domkapitular Dr. Weis und Pater Ramm zusammen eine Eucharistische Andacht, die mit feierlichem Sakramentssegen abschloss.

Alle Pilger zeigten sich von dem altrituellen Wallfahrtstag begeistert, ebenso die Verantwortlichen der Pfarrei und des Bistums. Es ist beabsichtigt den Wallfahrtstag des außerordentlichen Ritus, am 1. Mai in Zell auch zukünftig abzuhalten, quasi als kleinen Katholikentag der Tradition im Bistum Speyer.

Herr Dr. Weis, der am darauffolgenden Samstag im Namen des Bistums auch den Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset in Zell willkommen hieß, berichtete diesem von dem gelungenen altrituellen Wallfahrtstag am 1. Mai, was Msgr. Périsset – selbst öfter im alten Ritus zelebrierend – wohlwollend und anerkennend aufnahm.

Joachim Specht
geschrieben am 12.05.2012 um 00:56 Uhr.
 
 
 
 

 
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